Die Salesianische Kongregation in der Welt

Das salesianische Wappen

Das salesianische Wappen ist eines der bedeutsamsten Zeichen der Identität der Salesianischen Kongregation. Es ist nicht nur ein institutionelles Emblem und auch kein bloßes Zugehörigkeitszeichen: Es ist eine bildliche Zusammenfassung des Charismas Don Boscos, seines geistlichen Programms und der Sendung, die den Salesianern in Kirche und Welt anvertraut ist.

Mit seinen Symbolen bringt das Wappen das Herz der salesianischen Berufung zum Ausdruck: für Gott und für die jungen Menschen zu leben, besonders für die ärmsten und verlassensten, nach dem von Don Bosco gewählten Wahlspruch: Da mihi animas, cetera tolle – „Gib mir Seelen, alles andere nimm“.

Ursprung des Wappens
Die von Don Bosco am 18. Dezember 1859 gegründete Salesianische Kongregation hatte anfangs kein offizielles Wappen. In den ersten Jahren verwendete man für das Siegel der Gesellschaft das Bild des heiligen Franz von Sales, des Patrons der Kongregation, zusammen mit einer lateinischen Inschrift, welche die Fromme Salesianische Gesellschaft bezeichnete. Der damals verwendete Wahlspruch lautete: Discite a me quia mitis sum – „Lernt von mir; denn ich bin gütig“, ein Bezug auf das Evangelium, der ganz dem Geist der Güte, Sanftmut und pastoralen Liebe des heiligen Franz von Sales entspricht.
Die Notwendigkeit eines offiziellen Wappens ergab sich 1884 beim Bau der Herz-Jesu-Basilika in Rom, die Papst Leo XIII. Don Bosco anvertraut hatte. Man hielt es für angebracht, neben den Wappen der Päpste Pius IX. und Leo XIII. auch das salesianische Wappen anzubringen. Der erste Entwurf wurde am 12. September 1884 von Don Antonio Sala dem Oberkapitel vorgelegt. Die Zeichnung stammte von Professor Boidi, Lehrer für technisches Zeichnen am Collegio San Giovanni Evangelista in Turin und Mitarbeiter der Salesianer.
Der Entwurf enthielt bereits die wesentlichen Elemente des heutigen Wappens: den Anker, das brennende Herz, den heiligen Franz von Sales, den Stern, den Wald, die Berge, die Palme, den Lorbeer, die Rosengirlande, das Kreuz und den Wahlspruch. Don Bosco griff persönlich in einige Details ein, insbesondere indem er den Stern an der Spitze des Schildes durch ein strahlendes Kreuz ersetzte. Der Stern wurde in Form eines Kometen beibehalten und über dem Herzen angebracht.
Das offizielle Wappen erschien zum ersten Mal im Rundbrief Don Boscos vom 8. Dezember 1885, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria. Seitdem ist es im Wesentlichen das heraldische Zeichen der Salesianischen Kongregation geblieben.

Allgemeine Bedeutung
Das salesianische Wappen vereint in einem einzigen Bild die göttlichen Tugenden, das Gedenken an den Gründer, den Bezug auf den Patron der Gesellschaft und die geistliche Ausrichtung der salesianischen Sendung.
Der Stern, der Anker und das Herz stehen jeweils für Glaube, Hoffnung und Liebe. Der heilige Franz von Sales verweist auf den apostolischen Stil der Güte und Freundlichkeit. Der Wald erinnert an Don Bosco und seine Herkunft. Die Berge weisen auf den Ruf zur Heiligkeit hin. Palme und Lorbeer rufen den Lohn in Erinnerung, der einem treuen, opferbereiten und tugendhaften Leben verheißen ist. Die Rosengirlande erinnert an die Schönheit und die Mühen der Sendung. Das Kreuz an der Spitze richtet alles auf Christus aus, Quelle und Vollendung der salesianischen Berufung.

Der Stern: der Glaube
Der Stern ist Symbol des Glaubens, Licht, das den Weg weist. In der christlichen Tradition verweist er auf die Gegenwart Christi, des Lichts der Welt und Führers der Menschheit. Im salesianischen Wappen zeigt der Stern, dass das erzieherische und pastorale Werk nicht aus einem bloß menschlichen Plan entsteht, sondern aus dem Glauben an Gott und aus dem Wunsch, die jungen Menschen zur Begegnung mit ihm zu führen.

Der Anker: die Hoffnung
Der Anker in der Mitte des Schildes steht für die Hoffnung. Wie der Anker in der Seefahrt inmitten der Wellen Halt gibt, so stützt die christliche Hoffnung das Herz in den Prüfungen, Mühen und Unsicherheiten der Geschichte.
In der salesianischen Tradition erinnert der Anker daran, dass Erziehen immer ein Akt der Hoffnung ist: Hoffnung auf Gott, auf die jungen Menschen und auf das Gute, das auch in den verletzlichsten Situationen wachsen kann.

Das Herz: die Liebe
Das brennende Herz ist Symbol der pastoralen Liebe. Es erinnert an die glühende Liebe Christi und an die völlige Selbsthingabe, die das Leben Don Boscos kennzeichnete.
Die salesianische Sendung entsteht nicht in erster Linie aus einer Organisation, sondern aus einem Herzen, das für Gott und für die jungen Menschen brennt. Das Herz im Wappen drückt eine konkrete, tatkräftige, erzieherische und missionarische Liebe aus, die vor allem denen nahe sein kann, die arm, allein oder verlassen sind.

Der heilige Franz von Sales
Die Gestalt des heiligen Franz von Sales erinnert an den Patron der Kongregation. Don Bosco wollte, dass seine Söhne sich Salesianer nennen, gerade um sich auf die Güte, Freundlichkeit, Geduld und apostolische Liebe des heiligen Bischofs von Genf zu berufen.
Feder und Blatt, die sein Bild begleiten, erinnern auch an die Bedeutung des Apostolats der Presse, der guten Lektüre und der volkstümlichen Verbreitung christlicher Kultur. Don Bosco maß der Kommunikation großen Wert bei und wollte, dass auch das geschriebene Wort ein Werkzeug der Evangelisierung und der Erziehung sei.

Der Wald
Der Wald im unteren Teil des Schildes erinnert unmittelbar an den Familiennamen des Gründers (ital. „bosco“ = Wald). Es handelt sich jedoch nicht nur um eine Anspielung auf den Namen. Er verweist auf die bescheidenen und von der Vorsehung geprägten Wurzeln Don Boscos, auf seine bäuerliche Herkunft, auf die Einfachheit seiner Familie und auf die konkrete Geschichte, aus der die salesianische Sendung hervorging.
Im Wald wird das Gedächtnis der Anfänge bewahrt: eine Berufung, die in Armut, Arbeit, schlichtem Glauben und in den Träumen Gottes gereift ist.

Die Berge
Die Berge, die sich hinter dem Wald erheben, bezeichnen die Gipfel der christlichen Vollkommenheit, nach denen jeder Salesianer streben soll. In der biblischen und geistlichen Tradition ist der Berg ein Ort der Begegnung mit Gott, ein Bild des Aufstiegs, der Läuterung und der Heiligkeit.
Im salesianischen Wappen erinnern sie daran, dass die erzieherische Sendung nicht vom geistlichen Leben getrennt werden kann. Der Salesianer ist zur Heiligkeit mitten in der Sendung berufen, indem er seine Weihe unter den jungen Menschen und für sie lebt.

Die Palme und der Lorbeer
Palme und Lorbeer, die am Fuß des Schildes miteinander verflochten sind, sind Zeichen des Sieges, der Treue, des Opfers und der Herrlichkeit. Die Palme erinnert an das Martyrium, die Beharrlichkeit und den Sieg Christi über den Tod. Der immergrüne Lorbeer ist Symbol der Ehre, des Friedens und der Unsterblichkeit.
Zusammen zeigen sie, dass das salesianische Leben Frucht bringt, wenn es hingegeben wird. Die apostolische Fruchtbarkeit entsteht aus der Treue, dem Opfer und der Bereitschaft, das eigene Leben für das Wohl der jungen Menschen und für das Reich Gottes einzusetzen.

Die Rosengirlande
Die Rosengirlande an der Spitze des Schildes erinnert an die Schönheit der salesianischen Berufung und zugleich an ihre Ansprüche. Sie kann im Licht des bekannten Traums von der Rosenlaube gelesen werden: Die Rosen stehen für die Freude, die Verheißung und die Fruchtbarkeit der Sendung; die Dornen erinnern an die Mühe, das Opfer und die Geduld, die nötig sind, um sie treu zu leben.

Die salesianische Sendung ist hell und froh, aber nicht ohne Kreuz. Don Bosco lehrt, beide Dimensionen zusammenzuhalten: die Schönheit der Hingabe und den Preis der Liebe.

Das Kreuz
An der Spitze des Wappens befindet sich das strahlende Kreuz. Es ist kein bloßer Schmuck, sondern die geistliche Mitte des gesamten Emblems. Alle Elemente des Wappens finden im Kreuz ihre tiefste Bedeutung.
Glaube, Hoffnung, Liebe, salesianische Güte, erzieherische Sendung, Aufstieg zur Heiligkeit und Hingabe des Lebens sind auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus ausgerichtet. Das Kreuz erinnert daran, dass das salesianische Werk ihm gehört und von ihm Kraft, Licht und Fruchtbarkeit empfängt.

Der Wahlspruch: Da mihi animas, cetera tolle
Der Wahlspruch Da mihi animas, cetera tolle – „Gib mir Seelen, alles andere nimm“ – ist die höchste Zusammenfassung des salesianischen Geistes. Don Bosco wollte ihn im Wappen haben, weil er darin das Programm seines eigenen Lebens und der seinen Söhnen anvertrauten Sendung erkannte.
Diese Worte drücken den absoluten Vorrang des Heils der Menschen aus. Sie verlangen, die jungen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ihre Würde, ihr menschliches und christliches Wachstum, ihre ewige Bestimmung. Alles andere – Ansehen, Bequemlichkeit, persönliche Interessen, Sicherheiten – tritt in den Hintergrund.
Der Wahlspruch ist keine schmückende Formel, sondern ein geistliches Vermächtnis. Er bestimmt das Herz der salesianischen Berufung: ganz Gott zu gehören, um sich ganz den jungen Menschen zu schenken.

Die heutige Bedeutung des Wappens
Bis heute bewahrt das salesianische Wappen seine symbolische Kraft unverändert. Es erinnert die Kongregation an ihren Ursprung, ihre Identität und ihre Sendung. Es lädt jeden Salesianer ein, in Glaube, Hoffnung und Liebe zu leben; Christus auf dem Weg des Kreuzes zu folgen; die apostolische Güte des heiligen Franz von Sales nachzuahmen; das Herz Don Boscos zu bewahren; die Heiligkeit im erzieherischen und pastoralen Dienst zu suchen.
Das salesianische Wappen ist nicht nur ein Erkennungszeichen. Es ist Gedächtnis, Identität und Sendung. Es ist ein Vermächtnis an die Kongregation und an alle, die das Charisma Don Boscos teilen: Seelen suchen, den jungen Menschen dienen, alles aus Liebe zu Gott hingeben.